ort: berlin.
datum: 5. mai 2014.
mission: den verlassenen und verriegelten spreepark erkunden.
schwierigkeitsgrad: unbekannt.

der spreepark war bereits seit ein paar jahren auf meiner "places to visit"-liste. nun war ich endlich einmal wieder in berlin und hatte an diesem tag nichts vor. also rein in die s-bahn richtung "sonnenallee." tiefster osten und somit irgendwie altbekannte heimat.

dann galt es ein paar kilometer zu laufen. vorbei an schrebergartenanlagen mit solch einladenden namen wie "einsamkeit"...

kleingartenanlage einsamkeit

und ausgebrannten autowracks, die sogar die danebenstehenden bäume verkohlt hatten...

autowrack plansche plänterwald

autowrack plansche plänterwald

ich bin eindeutig auf dem richtigen weg in richtung eines vor mehr als 10 jahren verlassenen vergnügungsparks aus ddr-zeiten. und plötzlich, ohne jegliche vorankündigung, starrt mich ein saurier an und hinter ihm streckt sich ein stolzes riesenrad in den grauen himmel, das aus der ferne wie neu aussieht.

spreepark dino

kaum laufe ich ein paar schritte weiter, höre ich einige hunde bellen. vielleicht überaus empfindliche wachhunde auf dem gelände? ich hatte tags zuvor die sicherheitssituation recherchiert und da war von hunden und wachpersonal die rede. das fängt ja gut an: ich bin noch nicht mal in der nähe des zauns und die köter schlagen bereits alarm. einige meter weiter stellt sich heraus, dass in dieser gottverlassenen ecke von berlin eine hundepension ist.

somit entwarnung. vorerst.

am tor des lieferanteneingangs wird deutlich, dass es mit der bewachung und sicherheit nicht sehr weit her sein kann. das schloss ist total im arsch und das tor wird lediglich mit zwei umwicklungen duct tape davon abgehalten, bei jedem windstoss aufzuschwingen. easy access für den fall, dass alle löcher im zaun gestopft wurden.

spreepark tor mit duct tape

aber nicht so voreilig. erst einmal um den ganzen park herumlaufen, um die lage im innern abzuchecken: läuft jemand drin herum, gibt es tatsächlich wachhunde, stehen eventuell irgendwo überwachungskameras? aber am wichtigsten war die frage nach dem grossen loch im zaun.

eierhäuschen

eierhäuschen

nach einer kompletten umrundung, bei der ich auch auf das alte eierhäuschen gestossen bin, konnte ich zwei, drei eintrittspunkte ausmachen. der einfachste lag auf der gegenüberliegenden seite des haupteingangs; ein grosses loch im maschendrahtzaun, durch das ein ausgewachsener, japanischer sumoringer bequem hätte durchschlüpfen können.

schnell ein deutscher blick über beide schultern, um sicher zu gehen, dass gerade niemand in sichtweite ist und rein ins vergnügen. zwischen ein paar sträuchern durch, ein schritt über die schienen der kleinen parkbahn und schon steht man mitten in der vergangenheit. die fahrgeschäfte sind teilweise so zugewuchert, dass ich auf dem weg vom zaun ins innere des parks beinahe mit einem "auto" zusammengestossen wäre. ich hab mich regelrecht erschrocken, so plötzlich stand es vor mir.

spreepark kopfauto

das war auch das erste, was sich mir im spreepark darbot. ein fahrgeschäft, das an absurdität kaum zu überbieten ist. würde man damit fahren wollen, sässe man quasi im gehirn dieses autokopfes. aber ich will mich nicht lange mit solchen dingen aufhalten. ich hab nicht viel zeit und will so viel wie möglich sehen. also weiter gehts...

vorbei an kurz vor dem einsturz stehenden schiessbuden; umgefallenen und mit graffiti versehenen dinsosauriern; schwanenbooten, die nicht mehr als solche zu erkennen sind, weil ihnen die schwanenhälse und -köpfe fehlen...

ich will gerade ein foto von dem piratenschiff machen, da sehe ich auf der anderen seite des künstlichen teiches einen hund herumlaufen. scheisse!!! hier gibt's tatsächlich wachhunde! zum glück hat er mich noch nicht gesehen. in deckung, schnell und leise zurückgehen, damit er mich nicht bemerkt. sobald ich ihn nicht mehr sehe, muss ich erstmal durchatmen. das herz schlägt mir bis zum hals.

von nun an gehe ich übervorsichtig durch den park und mache nur noch die nötigsten fotos. jedes auslösergeräusch könnte die kläffer auf den plan rufen. das wichtigste, den drachenschlund der achterbahn, habe ich gesehen, genauso wie die wildwasserbahn, auf der cate blanchett in hanna ihr ende fand.

spreepark drachenschlund achterbahn

ich will gerade wieder rausgehen, da sehe ich ein pärchen die treppen der achterbahn hinuntersteigen. sie haben zwei hunde dabei. einer davon kommt mir extrem bekannt vor. entweder heisst es entwarnung oder mein ausflug ist endgültig zu ende. wir kommen ins gespräch und sie sagen, dass überhaupt keine security mehr da ist, seitdem sich das besitzerpaar vor ein paar wochen endgültig aus dem staub gemacht hat. die sicherheitsleute kommen nur noch, wenn der park völlig überlaufen ist, so wie zwei tage zuvor. "eigentlich super für uns," meinen sie. sie hätten sogar noch zwei andere leute im park angetroffen.

keine security? keine hunde? nichts? dann bleib ich doch noch ein bisschen länger. völlig entspannt spaziere ich nun durch den spreepark, ohne mir irgendwelche sorgen machen zu müssen. hauptsächlich mache ich in ruhe meine fotos. (die findet ihr übrigens alle auf flickr; die guten, die schlechten und die doppelten.)

nach einer halben stunde bin ich wieder durch das selbe loch im zaun in die gegenwart zurückgekehrt. dieser ort ist so unglaublich faszinierend. ein symbol dafür, wie schnell sich die natur ihr reich zurückerobern kann, wenn sie vom menschen in ruhe gelassen wird. andererseits ist es auch eine grossartige metapher und ein mahnmahl für den niedergang der ddr und ostberlins.

spreepark spiegel selfie

(ja, ich war da.)

falls ihr mehr über den spreepark erfahren wollt, auf abandoned berlin gibt es ein halbes dutzend ausführlicher beiträge, inklusive How Tos für den geneigten zaunspringer. wenn ich mir die fotos dort so anschaue, wird mir bewusst, dass ich sehr viel gar nicht gesehen habe. maybe next time.

und hier noch das satellitenbild des parks. von oben sehr unscheinbar und grösstenteils völlig zugewachsen. ich war hauptsächlich im östlichen teil des geländes unterwegs.